Ratgeber: Augen auf beim gebrauchten Wohnmobil

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Gebraucht-Wohnmobil.  (Quelle:     Auto-Medienportal.Net/Prien)Urlaubsreisen und Kurztrips mit dem eigenen Reisemobil sind nach wie vor Ă€ußerst beliebt. Kein Wunder, versprechen sie doch Natur pur und grĂ¶ĂŸtmögliche Freiheit unterwegs, und dennoch Komfort wie Zuhause. Anhalten und ĂŒbernachten, (beinahe) wo man will, auf Achse und trotzdem daheim sein, das reizt immer mehr Deutsche. Jedoch reichen die finanziellen Möglichkeiten nicht immer fĂŒr ein neues Fahrzeug aus, und mancher möchte auch erst einmal mit einem gebrauchten Mobil ausprobieren, ob ihm diese Art des Urlaubs ĂŒberhaupt dauerhaft zusagt.

Der Herbst ist der ideale Zeitpunkt fĂŒr den Kauf eines gebrauchten Reisemobils. Nachdem auf den Messen im Sommer die neuen Modelle vorgestellt werden, mĂŒssen bei den HĂ€ndlern Vorjahresmodelle, Gebrauchtfahrzeuge und Mietmobile vom Hof. Der Modellwechsel zur neuen Saison bringt zudem viel Bewegung in den Handel mit gebrauchten Caravans und Wohnmobils. Viele Camper, die sich fĂŒr ein neues Modell entscheiden, geben ihr altes Fahrzeug in Zahlung. FĂŒr KĂ€ufer eines gebrauchten Wohnmobils bedeutet das mehr Auswahl und somit mehr Spielraum bei den Preisverhandlungen. Beim Kauf eines gebrauchten Wohnmobils gibt es allerdings einiges zu beachten, damit der Erwerb nicht zum Alptraum wird.

Ein neues Reisemobil ist, je nach Basisfahrzeug, GrĂ¶ĂŸe und Ausstattung, ab etwa 40.000 Euro zu haben. Nach oben ist dem finanziellen Aufwand beinahe keine Grenze gesetzt. Mit einem Gebraucht-Fahrzeug kommt man natĂŒrlich gĂŒnstiger weg. Die Preise starten schon bei rund 3.000 Euro. FĂŒr diesen „schmalen“ Kurs gibt es aber fast ausschließlich abgerissene Bastelbuden aus den 1980er-Jahren. Die sind eher ein Fall fĂŒr handwerklich ausgesprochen begabte Schrauber mit entsprechender WerkzeugausrĂŒstung und Geduld.

Gebraucht-Wohnmobil.  (Quelle:     Auto-Medienportal.Net/Prien)

Schon bei der Auswahl eines gebrauchten Wohnmobils gibt es, Ă€hnlich wie beim Neukauf, einige Fragen zu klĂ€ren: Wie viele SchlafplĂ€tze und mit Sicherheitsgurt versehene SitzplĂ€tze muss das Fahrzeug aufweisen? Wie soll der Grundriß ausschauen? Geht es eher im Sommer oder auch im Winter in den Urlaub? Muss eine Nasszelle an Bord sein? Soll es ein kompakter, ausgebauter Kastenwagen sein, der auch fĂŒr den Einsatz im Alltag taugt? Darf es ein garagentaugliches Aufstelldach oder doch lieber Hochdach, das jederzeit Stehhöhe bietet, sein? Oder vielleicht eher ein familientaugliches Alkoven-Modell, das in der Ausbuchtung ĂŒber dem Fahrerhaus zwei SchlafplĂ€tze fĂŒr den mitreisenden Nachwuchs bietet? Oder darf es ein schnittiger Teilintegrierter sein, das schon beinahe klassische Mobil fĂŒr ein reisendes Paar? Oder doch lieber ein Integrierter mit durchgĂ€ngigem Wohnaufbau, der charakteristisch großen Windschutzscheibe und meist ĂŒppigem Platzangebot? Oder soll es ein etwas ausgefallenes Modell sein, vielleicht ein Pick-up mit absetzbarer Wohnkabine?

Gebraucht-Wohnmobil.  (Quelle:     Auto-Medienportal.Net/Prien)

Auch die FĂŒhrerscheinfrage will vorab geklĂ€rt sein. Mit einem alten „Dreier“ darf man noch Wohnmobile bis zu einem Gesamtgewicht von 7,5 Tonnen fahren, bei den neueren Varianten B und BE ist bereits bei 3,5 Tonnen Schicht im Schacht. Und dann ist da natĂŒrlich noch die Frage des zur VerfĂŒgung stehenden Budgets.

Wo suchen?

Gebrauchte Reisemobile finden sich auf den Höfen der FachhĂ€ndler, im Kleinanzeigenteil von Tageszeitungen und Fachmagazinen sowie im Internet in den bekannten Automobil-Börsen. Hilfreich bei den Internet-Inseraten sind die unterschiedlichen Optionen, nach denen vorsortiert werden kann, wie etwa die Punkte Basisfahrzeug, Leistung, Entfernung zum Wohnort oder Preis. Wer bereits halbwegs klare Vorstellungen von seinem Wunschmobil hat, dĂŒrfte recht rasch fĂŒndig werden. Dann steht die Besichtigung an, denn einen „Blind-Kauf“ könnte man spĂ€ter sehr bereuen. Anschauen ist Pflicht, soll es kein böses Erwachen nach dem Kauf geben. Vier Augen sehen mehr als zwei, und es kann sicher nicht schaden, einen guten Freund mitzunehmen, der sich idealerweise noch etwas auskennt. GrundsĂ€tzlich gilt, dass Wohnmobile aus privater Hand nicht unbedingt billiger sein mĂŒssen als solche vom HĂ€ndler. FĂŒr letzteren spricht, dass er zwölf Monate GewĂ€hrleistung einrĂ€umen muss. Ein hoher Kilometerstand ist nicht unbedingt von Nachteil, wenn das Fahrzeug regelmĂ€ĂŸig und nachweisbar gewartet wurde. Ein durchgĂ€ngig ausgefĂŒlltes Serviceheft ist der Beleg dafĂŒr.

Ein erster Rundgang fĂŒhrt um das Fahrzeug mit einem besonderen Blick auf die ÜbergĂ€nge zwischen Wand und Boden bzw. Dach und auf eventuelle UnfallschĂ€den, Beulen oder ausgebesserte Stellen. Denn hier kann bei SchĂ€den Regenwasser eindringen und erhebliche SchĂ€den verursachen. Achten sollte man auch auf die Beleuchtungsanlage, Scheinwerfer und RĂŒcklichter sollten trocken sein, eine Funktionsprobe von Abblend- und Fernlicht, Blinkern und RĂŒck- sowie Bremslicht sorgt fĂŒr sichere Fahrt. Anbauteile wie Heck- oder FahrradtrĂ€ger sollten sicher verankert und gut abgedichtet sein, die Reifen die erforderliche Mindestprofiltiefe aufweisen und nicht Ă€lter als fĂŒnf, sechs Jahre sein. Wenn möglich, ist auch ein Blick aufs Dach ratsam. Sind Sat- und Solaranlage ordentlich befestigt, die DurchbrĂŒche in den Innenraum und auch die Dachluken ordentlich abgedichtet? Das Basisfahrzeug und sein Unterboden sollten rostfrei sein.

Vorsicht vor WasserschÀden

Nach diesen ersten Kontrollen geht es in die gute Stube. Wenn es hier moderig, dumpf oder muffig riecht ist Vorsicht geboten. Unangenehme GerĂŒche sind meist ein Zeichen fĂŒr Undichtigkeiten, und deren Ursachen sind nicht immer leicht zu finden – und oft nur teuer zu beheben. Faulige Stellen lassen sich bei Aufbauten mit Holz manchmal durch eine Druckprobe mit dem Daumen ertasten. VerrĂ€terisch sind auch WasserrĂ€nder, etwa in den StauschrĂ€nken oder auf dem Bodenbelag. Über die Jahre können Fensterdichtungen porös werden, ihnen sollte man daher ebenfalls wenig Augenmerk schenken.

Gebraucht-Wohnmobil.  (Quelle:     Auto-Medienportal.Net/Prien)

Einem Funktionscheck unterwerfen sollte man alle technischen Einbauten wie Warmwasser-Boiler, Kocher, KĂŒhlschrank, Heizung und die Wasseranlage in KĂŒche und Nasszelle, außerdem Sat- und TV-Anlage sowie – sofern vorhanden – RĂŒckfahr-System und -Kamera. Falls der Frischwassertank ĂŒber eine Reinigungsöffnung verfĂŒgt, lohnt ein kurzer Blick ins Innere, denn er gibt im Wortsinne einen Einblick in den Pflegezustand des Fahrzeugs. GrĂŒnliche und schmierige Tanks und Wasserleitungen mit Ablagerungen sind kein Zeichen guter und regelmĂ€ĂŸiger Pflege durch den Vorbesitzer.

Gebraucht-Wohnmobil.  (Quelle:     Auto-Medienportal.Net/Prien)

Dass alle Einbauten und Möbel gut verankert und schimmelfrei sein sollten, versteht sich von selbst. Der allgemeine Zustand des Möbelbaus lĂ€sst RĂŒckschlĂŒsse auf den sorgsamen Umgang des Vor-Campers mit seinem Mobil zu. Unter bunten Aufklebern im Wohnraum lauern manchmal SchĂ€den. Klappen und TĂŒren mĂŒssen schließen, die BeschlĂ€ge und Scharniere sollten nicht ausgeleiert oder defekt sein.

Gebraucht-Wohnmobil.  (Quelle:     Auto-Medienportal.Net/Prien)

Eine Probefahrt vor dem Kauf ist natĂŒrlich Pflicht. Der Motor soll auch im kalten Zustand einwandfrei starten und im Leerlauf nicht qualmen. Das Getriebe muss einwandfrei und ohne heulende GĂ€nge zu schalten sein. Wenn das Fahrzeug zu einer Seite zieht, stimmt vermutlich mit Fahrwerk oder Lenkung etwas nicht. Wie reagiert das Lenkrad, zeigt es ungewöhnliche Vibrationen in Fahrt? Bleibt der Wagen bei einem kontrollierten Bremstest (den nachfolgenden Verkehr beachten) sauber in der Spur oder gibt es AuffĂ€lligkeiten? Beim Einparken lassen sich GerĂ€usche, die vom Antriebsstrang oder der Lenkung kommen, gut hören. Auf korrekte Funktion zu prĂŒfen wĂ€ren dann noch die Scheibenwischer, LĂŒftung und Klimaanlage, Radio, CD- oder MP3Player. Oft fallen hier Defekte erst nach Wochen im Alltagsbetrieb auf.

Gebraucht-Wohnmobil.  (Quelle:     Auto-Medienportal.Net/Prien)

Zum Schluss ist ein Blick in die Papiere unverzichtbar. Wie lange gelten Hauptuntersuchung und GasdichtigkeitsprĂŒfung noch? Frisch absolvierte PrĂŒfungen und gĂŒltige Nachweise sprechen fĂŒr das Fahrzeug. Ein lĂŒckenlos gefĂŒhrtes Scheckheft ist von Vorteil, und unverzichtbar bei einer vom Hersteller gewĂ€hrten Dichtigkeitsgarantie. An Bord sein mĂŒssen alle Betriebs- und Bedienungsanleitungen der installierten Technik, auch und gerade vom Wohnbereich.

Gebraucht-Wohnmobil.  (Quelle:     Auto-Medienportal.Net/Prien)

Nicht unbedingt trauen sollten man den Angaben zum Leergewicht in den Fahrzeugpapieren. NachtrĂ€gliche An- und Einbauten wie TV, Sat-Anlage, GepĂ€ck- oder FahrradtrĂ€ger erhöhen es. Nur eine Waage bringt Aufschluß ĂŒber das tatsĂ€chliche Fahrzeuggewicht. Vom zulĂ€ssigen Gesamtgewicht abgezogen ergibt die Differenz die mögliche Zuladung.

Sind alle Punkte geklĂ€rt und die PrĂŒfung zur Zufriedenheit ausgefallen, steht dem Kauf des gebrauchten Reisemobils nichts mehr im Wege. Bargeld sollte nur im Tausch gegen Fahrzeugpapiere, SchlĂŒssel und das Mobil selbst den Besitzer wechseln. Dann kann es getrost mit dem neuen UrlaubsgefĂ€hrt(en) auf Reisen gehen.

 

 

(ampnet/gp)

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