Wothahellizat: Australiens verrĂŒcktestes Wohnmobil

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Wothahellizat.  (Quelle: Auto-Medienportal.Net/Rob Gray)„Wothahellizat“ – oder, auf gut Deutsch: Was, zur Hölle, ist das denn? Die knappe Antwort: Eigentlich ist – oder war – das einstmals lediglich ein mehr als vier Jahrzehnte alter Armee-Truck. Ein 14-Tonner, der nach seiner MilitĂ€rzeit zuverlĂ€ssig seinen Dienst als Feuerwehr-Wagen verrichtete. Der Australier Rob Gray und seine Frau Chris kauften ihn im Jahre 1997. Danach investierten sie drei Jahre Arbeit und rund 120.000 Australische Dollar (ĂŒber 80.000 Euro), um aus dem 6×6-getriebenen Laster das einst wohl grĂ¶ĂŸte Off-Road Reisemobil „down under“ zu machen.

Wothahellizat ist eine eigenwillige Mischung aus Allrad-Truck und Wohnmobil, mehr Bauhaus als Barock, ein Strandhaus gepaart mit einem gehörigen Schuss Mad-Max-Optik und einer guten Portion Einfallsreichtum, gewĂŒrzt mit höchstem handwerklichem Können. Oder, um es mit Robs eigenen Worten zu sagen: „My motorhome looks industrial on the outside, but it’s luxurious inside.”

Wothahellizat.  (Quelle: Auto-Medienportal.Net/Rob Gray)

Im Jahre 1997 war der Fotograf und Computer-Fachmann mit seiner Frau Chris auf einem Camping-Trip unterwegs, Ziel: Frazer Island. Beide erkannten, dass sie die Arbeit an und mit Computern ziemlich satt hatten. Sie wollten, wie man so schön sagt, zu neuen Ufern aufbrechen. Vier Jahre spĂ€ter besaßen sie ein von Rob selbst gebautes 34-Fuß-Motorhome mit 6×6-Antrieb, mit dem sie kreuz und quer durch Australien reisten. Rob fotografierte wieder, das Tierleben und die Landschaften Australiens. Drei Kriterien wollte Rob bei seinem Motorhome erfĂŒllt sehen: Es sollte komfortabel genug sein, um lĂ€ngere Zeit (möglicherweise sogar ĂŒber Jahre) darin leben zu können. Seine ersten EntwĂŒrfe begannen mit einer GrĂ¶ĂŸe bzw. LĂ€nge von 24 Fuß (7,3 m). Als er darĂŒber nachdachte, was er so alles unterbringen wollte – und musste – und wie viel Platz er braucht, um sich ein wenig behaglich zu fĂŒhlen, „wuchs“ das Motorhome auf (s)eine LĂ€nge von 34 Fuß. Das sind rund 10,5 Meter – ohne Veranda. Da musste dann schon ein echter, großer Lastwagen als Basisfahrzeug her. Zudem wollte Rob ĂŒberall dorthin kommen, wo bisher noch kein anderes Reisemobil gewesen war. Es musste also zwingend offroad-tauglich sein und Allradantrieb haben – und am besten auch gleich noch eine Untersetzung dazu. Die geeignete Basis fand er rein zufĂ€llig in einem Zeitungsinserat. Das Fahrzeug: Ein International Acco Dreiachser mit gerade mal 12.000 Meilen auf dem Tacho. Vorbesitzer war eine Feuerwehr. „In dem Wagen ist kein Computer – wenn da was kaputtgeht, dann kannst Du es immer noch schweißen oder anderswie mit Bordmitteln reparieren“, sagt Rob. Was kaum nötig ist – denn die International Acco sind in Australien fĂŒr ihre ZuverlĂ€ssigkeit bekannt.

Wothahellizat.  (Quelle: Auto-Medienportal.Net/Rob Gray)

Das orangerote Mobil war ursprĂŒnglich mal ein Armee-Fahrzeug, ehe es bei den FloriansjĂŒngern zum Einsatz kam. Rob entfernte die ziemlich umfangreiche und schwere Feuerwehr-AusrĂŒstung und legte los. FĂŒr den Antrieb sorgt mittlerweile ein Perkins-6354-Turbo-Diesel mit sechs Litern Hubraum. Den hat Rob irgendwann einmal eingebaut, „weil einfach jeder den Perkins 6354 kennt“, wie er sagt.

Die Hinterachsen haben permanenten Vierrad-Antrieb, zuschaltbarer Frontantrieb und eine Unterstezung fanden sich fanden sich auch an Bord. Der Acco ist zweieinhalb Meter breit, und (mit dem Wohnaufbau von Rob) satte vier Meter hoch und 10,5 Meter lang. Die Bodenfreiheit liegt bei 35 Zentimetern unter den Differenzialen und unter dem Chassis bei beinahe ĂŒberall 50 Zentimetern. Das langt – auch fĂŒrs australische Outback. Und das trotz des durch Rob um rund zweieinhalb Meter verlĂ€ngerten Chassis.

Wothahellizat.  (Quelle: Auto-Medienportal.Net/Rob Gray)

Rob kann Lebensmittel und VorrĂ€te fĂŒr rund drei Monate verstauen. Das Mobil sollte absolut autark sein, damit Rob und seine Frau auch in der Wildnis Australiens Tage, Wochen oder gar Monate (ĂŒber)leben können. Und zwar ohne Versorgung von außen mit Strom, Wasser oder Nahrung. Rob macht eine faszinierende Rechnung auf. Er und seine Frau trinken gerne ein oder zwei „stubby“ (eine 375 ml fassende Flasche) Cider. Das bedeutet, zwei Personen mal zwei Flaschen mal 30 Tage sind 120 Flaschen. Die mĂŒssen mit, irgendwie. So wanderte ein „Keller“ in den Aufbau, der bequem die Monatsration Cider fĂŒr Rob und seine Frau fasst.

FĂŒr Wasser sah Robs Rechnung folgendermaßen aus. Rund 25 Liter Wasser fĂŒr ein Duschbad, dazu fĂŒnf Liter Wasser pro Person im Outback (wir vergessen da jetzt den Cider mal fĂŒr einen Augenblick). Dazu kommen noch fĂŒnf Liter fĂŒrs Waschen, das sind dann 65 Liter am Tag. Das dann mal 30, fĂŒr den ganzen Monat, ergibt 1950 Liter Wasser pro Monat. Das wĂ€ren dann allerdings rund zwei Tonnen, was Rob dann selbst fĂŒr einen großen Truck doch ein bisschen viel erschien. Andererseits muss man ja nicht jeden Tag duschen, und unterwegs kann es hier und da auch mal Wasser geben. Also rundete Rob großzĂŒgig auf eine Tonne Frischwasser-KapazitĂ€t ab. Ganz nebenbei erwĂ€hnt Rob, sein Fahrzeug sehe zwar so aus, als sei es kopflastig, als wĂŒrde der Schwerpunkt weit oben liegen. Doch das, so grinst er, sei ein Irrtum. Der Schwerpunkt liege relativ tief, da alle StaurĂ€ume fĂŒr schwere Last möglichst weit unten eingebaut wurden. Gleiches gilt fĂŒr die Versorgungstanks, die alle unterflur sitzen. Die Elektrik ist so ausgelegt, dass sie die regelmĂ€ĂŸige Nutzung eines Satelliten-Telefons, von Computern, Druckern, Scannern und Ventilatoren erlaubt. Rob mag es halt komfortabel.

Wothahellizat.  (Quelle: Auto-Medienportal.Net/Rob Gray)

Er strippte den Feuerwehr-Laster bis aufs Chassis, verlĂ€ngerte den Rahmen, schweißte ein Skelett fĂŒr den Alkovenaufbau, isolierte die Kabine und beplankte sie außen mit zwei Millimeter starkem Alu-Riffelblech. Es verschließt sogar die großen Fenster des Mobils, die Rob mit eigens angefertigten Klappen versah.

Der Wohnraum ist sehr komfortabel ausgestattet und erinnert eher an ein Strandhaus denn an ein Reisemobil. Der Zugang erfolgt ĂŒbers Heck, dort klappt, ausgesprochen raffiniert konstruiert, eine Treppe herunter. Die fĂŒhrt auf eine große, ĂŒberdachte Veranda, in zwei Meter Höhe abzusenken per Elektro-Seilwinde. „Da oben zu sitzen und einen Sonnenaufgang am Ningaloo Riff zu beobachten, unbezahlbar“, schwĂ€rmt Rob. Von der Veranda aus geht es in den Wohnbereich. Die Kabine ist durch deckenhohe Fenster im Heckbereich hell und freundlich und hat reichlich Platz. „Wenn Du den Motor ausmachst, bist Du ĂŒberall Zuhause“.

Wothahellizat.  (Quelle: Auto-Medienportal.Net/Rob Gray)

Wothahellizat.  (Quelle: Auto-Medienportal.Net/Rob Gray)

Der Dreiachser hat zwei 300-Liter-Dieseltanks, einen 100-Liter-Benzintank fĂŒr das mitgefĂŒhrte Motorrad, eine Honda SL 250, die per Elektro-Seilwinde in ihr Staufach rein- und wieder rausgehoben wird. Mit den 600 Litern Diesel schafft Wothahellizat rund 1.800 Kilometer auf der Straße, Off-Road hĂ€ngen Verbrauch und Reichweite stark vom Terrain ab. Wenn es auch mit 6×6-Antrieb nicht mehr weiter geht, kein Problem: Das Endzeit-Womo hat eine Seilwinde mit zehn Tonnen Zugkraft an Bord, die nach vorne oder auch nach hinten ziehen kann. Unterflur sitzen die Frischwassertanks mit 700 Liter Inhalt, Trink- und Brauchwasser verfĂŒgen ĂŒber getrennte Pumpen. 55 Liter fasst der Grauwasser-, 80 Liter der FĂ€kaltank. FĂŒr Warmwasser sorgt ein 23-Liter-Boiler. Unterflur gibt es auch eine ausklappbare Werkbank, falls im Busch mal eine Reparatur anfĂ€llt.

Wothahellizat.  (Quelle: Auto-Medienportal.Net/Rob Gray)

Wothahellizat.  (Quelle: Auto-Medienportal.Net/Rob Gray)

Wothahellizat.  (Quelle: Auto-Medienportal.Net/Rob Gray)

Auch vier Neun-Kilo-Gasflaschen, eine Solaranlage, ein 3.300 Watt Inverter, eine 42-Liter-Mikrowelle, ein 240 Liter fasender KĂŒhl- und Gefrierschrank, ein Notstromaggregat und Kameras, mit denen auch bei geschlossenen Fenstern die Umgebung des Mobils eingesehen werden kann, sind ebenfalls mit an Bord. Die mittig angeordnete KĂŒche verfĂŒgt ĂŒber zwei GranitspĂŒlen, einen Dreiflamm-Kocher und einen Wok-Brenner. Außerdem gibt es einen großzĂŒgig bemessenen SanitĂ€rraum mit Dusche und WC. Das „Schlafzimmer“ ist im Alkovenbereich untergebracht, mit Durchgang zum Fahrerhaus. Die beiden Einzelbetten können zu einem Doppelbett verbunden werden. FĂŒr Stehhöhe im Schlafgemach sorgt ein hydraulisch aufstellbares Dach mit festen SeitenwĂ€nden. Das komplette Fahrzeug ist mit einem Tropendach ausgestattet, das sorgt in Verbindung mit einer Klimaanlage fĂŒr angenehme Temperaturen.

Nach drei Jahren Bauzeit war der rollende Alptraum eines jeden deutschen TÜV-PrĂŒfers fertig. Rob und seine Frau Chris rumpeln mit 60 bis 70 km/h durch Australien. „Wenn das langsam klingen sollte, ja, klar – das ist es ja auch. Aber in den ganzen Jahren, die wir durch Australien reisen, gab es nie einen Moment, wo ich schneller unterwegs sein wollte“, meint Rob. Als Problem sieht er allerdings irgendwann die schiere GrĂ¶ĂŸe seines Mobils. Die schaffe zwar einerseits eine Menge Platz und Lebensraum, es habe aber immer wieder Camp-Grounds gegeben, fĂŒr die das Fahrzeug schlicht zu groß sei. Und ĂŒberhaupt sei es auf CampingplĂ€tzen oft etwas stressig gewesen – denn dort gab es immer jede Menge Neugierige. Beliebteste Frage: „Hast Du das Ding etwa selbst gebaut?“ Robs pragmatische Lösung fĂŒr das Problem: „Wir waren einige Jahre nicht mehr auf CampingplĂ€tzen.“

Wothahellizat.  (Quelle: Auto-Medienportal.Net/Rob Gray)

Am 27. August 1999 startete er zur Jungfernfahrt mit seinem 6×6-Mobil. Sechs Jahre sind er und Chris dann damit gereist. Dann hat er, von April 2007 bis November 2008, sein Mobil noch einmal umgebaut. FĂŒr Wothahellizat MK 2 hat er das einst verlĂ€ngerte Chassis „ganz einfach“ wieder gekĂŒrzt – und eine neue, kleinere Kabine draufgesetzt. Jetzt hat Rob vielleicht nicht mehr das grĂ¶ĂŸte Off-Road Reisemobil „down under“ – aber ganz sicher noch immer eines der verrĂŒcktesten.

Aus diesem International Acco 6x6, einem von der Feuerwehr genutzten ehemaligen Armeelaster, baute der Australier Rob Gray sein Wohnmobil Wothahellizat.  (Quelle: Auto-Medienportal.Net/Rob Gray)

Rob Gray beginnt mit dem Umbau des International Acco 6x6 zum Wothahellizat.  Foto:     Auto-Medienportal.Net/Rob Gray

Umbau des International Acco 6x6 zum Wothahellizat.  Foto:     Auto-Medienportal.Net/Rob Gray

Umbau des International Acco 6x6 zum Wohnmobil Wothahellizat.  Foto:     Auto-Medienportal.Net/Rob Gray

Umbau des International Acco 6x6 zum Wothahellizat.  Foto:     Auto-Medienportal.Net/Rob Gray

Der International Acco 6x6 wird zum Wohnmobil Wothahellizat umgebaut.  Foto:     Auto-Medienportal.Net/Rob Gray

(ampnet/gp)

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