Praxistest: Westfalia Amundsen 540 D

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Den SĂŒdpol wird dieser Amundsen wohl nicht erreichen, aber dafĂŒr bietet das aktuelle Einsteiger-Reisemobil von Westfalia viel Potenzial fĂŒr Ferienspaß an anderen Orten. Die ausgiebige Testreise mit dem Camper auf Fiat-Fahrgestell machte jedenfalls Appetit auf mehr.

Unseren niederlĂ€ndischen Nachbarn wird nur allzu gerne nachgesagt, sie seien ein fahrendes Volk von Wohnwagenbesitzern. Dass der Urlaub mit dem eigenen Bett im GepĂ€ck auch hierzulande immer beliebter wird, zeigen nicht nur die wachsenden Besucherzahlen bei den Caravan-Messen, sondern auch die steigenden Neuzulassungen von Wohnmobilen. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres setzte sich der seit Jahren anhaltende AufwĂ€rtstrend um noch einmal zehn Prozent Zuwachs gegenĂŒber dem Vorjahreszeitraum fort.

Westfalia Amundsen 540 D SeiteMit mehr als 16.500 Einheiten ist der Fiat Ducato unangefochtener Spitzenreiter bei den verwendeten Fahrgestellen. Auch die nahe Bielefeld beheimatete Firma Westfalia nutzt bei ihren Produkten diese Basis. Viele Hersteller vertrauen auf die Expertise der Freizeit-Spezialisten: Ford lĂ€sst dort sein Modell Nugget bauen und Mercedes-Benz den Marco Polo. Unter dem Modellnamen Amundsen bietet Westfalia drei verschieden lange Wohnmobile an, auf Testfahrt ging in diesem Falle die Variante 540 D. Die Ziffer steht fĂŒr die FahrzeuglĂ€nge in Zentimetern, die beiden anderen Versionen sind sechs und 6,40 Meter lang.

Gerade wenn man zu zweit seine Reise antritt, ist der Amundsen ein ideales GefĂ€hrt. Einerseits erlauben die relativ kompakten Transporter-Abmessungen einen großen Aktionsradius, auch enge InnenstĂ€dte sind kein Tabu. Andererseits muss man dank der vollstĂ€ndigen Ausstattung mit KĂŒchenzeile, Sitzgruppe, Doppelbett und Nasszelle nur geringe Kompromisse in Sachen Komfort machen. Unter dem im hinteren Wagenteil quer untergebrachten Bett befindet sich ein großer Stauraum, der durch bewegliche LiegeflĂ€chen sogar noch erweitert werden kann. Einzelreisende können da zum Beispiel ihr Fahrrad oder eine umfangreiche SportausrĂŒstung parken.

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Das Testfahrzeug war mit einem 2,3 Liter großen Vierzylinder-Diesel ausgestattet, der 148 PS leistet. Sein Drehmoment von 350 Newtonmetern macht ihn so kraftvoll, dass man auf der Autobahn mĂŒhelos mitschwimmt und sich auch auf die linke Spur wagen kann. Die Motorleistung wird auf die Vorderachse ĂŒbertragen und mit einem Sechs-Gang-Getriebe portioniert. WĂ€hrend die RĂ€der vorn einzeln aufgehĂ€ngt sind, ist hinten eine Starrachse mit Blattfedern montiert. Gemessen an der Tatsache, dass man mit einem Mindestgewicht von gut 2,8 Tonnen und dem cw-Wert einer Schrankwand unterwegs ist, konsumiert der Motor seinen Kraftstoff erstaunlich bescheiden: Auf rund 1.000 Kilometer Testfahrt begnĂŒgte er sich mit 8,5 Litern je 100 Kilometer. Eine Stopp-Start-Funktion kostet allerdings Aufpreis.

Der rechtwinklige Aufbau sowie die großen Außen- und Zusatzspiegel machen das Manövrieren einfach. Wer ganz sicher gehen – besser fahren – will, bestellt sich eine RĂŒckfahrkamera, die aber nur genutzt werden kann, wenn auch ein Navigationssystem installiert ist. FĂŒr beides zusammen ist ein Aufpreis von etwa 1.300 Euro zu entrichten. Ebenfalls aufpreispflichtig ist die Geschwindigkeitsregelanlage, fĂŒr die 279 Euro berechnet werden. Das sind rund 50 Euro weniger, als Fiat von seinen Ducato-Kunden fĂŒr den Tempomat verlangt. Teurer als bei Fahrgestellhersteller ist der optionale 120-Liter-Tank, den man aber wegen des genĂŒgsamen SelbstzĂŒnders nicht wirklich braucht.

Westfalia Amundson KĂŒcheDie komfortablen Reisesessel des Cockpits (beide mit klapp- und verstellbaren Armlehnen) sind um 180 Grad drehbar, so dass vier Personen an dahinter einhĂ€ngbaren Klapptisch Platz finden. Nur als Teil des „Westfalia Plus Pakets“ erhĂ€ltlich sind die sehr praktischen Faltrollos fĂŒrs Fahrerhaus. Sie manchen die umstĂ€ndliche Befestigung von Verdunklungsfolien ĂŒberflĂŒssig, bieten zuverlĂ€ssigen Sonnen- und Sichtschutz und verschwinden wĂ€hrend der Fahrt komplett in ihren fest montierten Rahmen. Wer die optionalen Dachfenster bestellt, sollte darauf gefasst sein, dass die dĂŒnnen Faltrollos durch BerĂŒhrung oder Luftzug aus der Form geraten können. Sie sind aber leicht wieder in ihre Laufschienen zurĂŒckzudrĂŒcken. Zum Plus-Paket fĂŒr 3.190 Euro gehören unter anderem noch eine Klimaanlage, LED-Leuchtstreifen in den DachstaukĂ€sten, eine FliegenschutztĂŒr und elektrische Außenspiegel. Der Hersteller spricht von einem Kostenvorteil von 2265 Euro gegenĂŒber Einzelbestellung.

Westfalia Amundsen 540 D Sitze vornAm Heck öffnet die zweiflĂŒgelige PortaltĂŒr ungehinderten Zugang zum GepĂ€ck. Sollten es Tageszeit oder Wetter nicht sinnvoll erscheinen lassen, durch die HecktĂŒr auf den Stauraum zuzugreifen, ist dies auch von innen möglich. Die beiden Fenster im Heck sind mit Verdunklungsrollos und Moskitonetzen versehen. Mittels eines zusĂ€tzlichen Hebels ist die TĂŒr vom Bett aus zu öffnen. Die LiegeflĂ€che ist mit punktelastischen Kunststoff-Federelementen und einer Kaltschaummatratze ausgestattet, so dass es am Schlafkomfort nichts auszusetzen gibt. Leseleuchten sind an der Unterkante der DachschrĂ€nke eingelassen. Unter dem 1,30 Meter breiten Nachtlager finden die Koffer und Taschen Platz, Proviant, der keiner KĂŒhlung bedarf sowie Campingtisch und StĂŒhle. Eine Außenmarkise ist fĂŒr 929 Euro bestellbar.

Insgesamt stellte der umfangreich ausgestattete Testwagen einen Gegenwert von 51.424 Euro dar. Auch auf dem Wohnmobil-Sektor sollte man auf Preisvergleiche nicht verzichten: FĂŒr einen Ford Nugget zum Beispiel, der weniger Platz und keine Nasszelle bietet, wird ein um rund 3.000 Euro höherer Grundpreis verlangt.

Über den GepĂ€ckraum sind der Ablasshebel fĂŒr den Frischwasser-BehĂ€lter (90 Liter) sowie die Butan-Gasflasche erreichbar, die den Herd versorgt. Sie konnte Platz sparend auf ein Volumen von 2,8 Kg reduziert werden, denn die 4 kW-Zusatzheizung von Truma zieht sich ihren Brennstoff aus dem Dieseltank. Der Unterflur-Abwassertank sitzt zwischen den Achsen, fasst ca. 100 Liter und wird mit Hilfe eines Bowdenzug-Griffs von außen entleert.

Unter der rechtsseitigen SchiebetĂŒr ist eine elektrisch ausfahrbare Trittstufe vom AusrĂŒster Thule montiert, die auf 150 Kilo Tragkraft ausgelegt ist. Aber allzu beleibt sollte man ohnehin nicht sein, denn natĂŒrlich ist die Ducato-HĂŒlle kein Tanzsaal. Der Hochdach-Kastenwagen hat standardmĂ€ĂŸig ein Volumen von 11,5 Kubikmetern, in dem die Westfalia-Einbauten untergebracht werden mĂŒssen. Wertvoll ist die durchgehende Stehhöhe Eine gelungene Neuerung gegenĂŒber dem VorgĂ€ngermodell ist der KĂŒhlschrank (65 Liter), der unter dem zweiflammigen Gasherd sitzt und dessen TĂŒr in Fahrtrichtung weist. Sie hat einen Öffnungswinkel von etwa 230 Grad, so dass man einen Lebensmitteleinkauf direkt aus dem Einkaufswagen in die KĂŒhlfĂ€cher stapeln kann.

GegenĂŒber von SpĂŒlbecken und KĂŒchenschrĂ€nken (dessen selbst einziehende SchubfĂ€cher jeder Hausfrau Freude bereiten wĂŒrden), ist die Nasszelle montiert. Auch wenn die Innenmaße von 82 x 78 Zentimetern die Verwendung des Begriffs „Zelle“ nicht unangemessen erscheinen lassen, ist es doch erstaunlich, was dort alles untergebracht ist. Der Fußboden ist als Duschwanne ausgeformt, das Waschbecken hat eine ausziehbare Armatur. Dazu kommen Spiegel, Wandablagen, Handtuch- und Duschvorhanghalter sowie die Kassettentoilette mit drehbarem Sitz. Westfalia verwendet hier das in vielen Camping- und Wohnmobilen bewĂ€hrte Fabrikat Thetford C 250 S. Auch wenn Nutzer vereinzelt von unzuverlĂ€ssiger Sensorik der FĂŒllstandsanzeige berichtet haben, ist es doch ein unbestreitbarer Komfortgewinn, die Toilette an Bord zu haben. Die Entsorgung ist mit wenigen Handgriffen erledigt, der von außen zugĂ€ngliche BehĂ€lterkasten mittels externem Brauseschlauch im Nu gereinigt. Lediglich die Schließmechanik der nach innen und außen öffnenden BadtĂŒr zeigt noch Optimierungspotenzial.

Fazit: Der Westfalia Amundsen 540 D ist ein rundum praktischer und angenehm komfortabler Reisebegleiter. Bei einem Startpreis von 41 390 Euro (mit 115-PS-Diesel, ab Saison 2016) bietet es viel Wohnwert fĂŒrs Geld. Ein umfangreiches Angebot an Zusatzausstattungen erhöht die Bequemlichkeit und sogar Allradantrieb ist zu haben. Damit könnte man sich dann auch Richtung SĂŒdpol aufmachen. (ampnet/afb)

Daten: Westfalia Amundsen 540 D

LÀnge x Breite x Höhe (m): 5,41 x 2,01 x 2,60
Radstand (m): 3,45
Motor: R4- Turbodiesel 2,3-Liter Hubraum
Leistung: 109 kW / 148 PS bei 3.500 U/min
Drehmoment: 350 Nm bei 1.500 U/min
Getriebe: 6 Gang manuell
Höchstgeschwindigkeit: 155 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: k.A.
Kraftstoff-Verbrauch (Test/kombiniert), 8,5 L/100 km
Effizienzklasse: B
Tankvolumen: 90 L / 120 L (Option)
Leergewicht / Zuladung: 2.785 kg / 515 kg
Schlaf-/SitzplÀtze: 2-3/ 4
BatteriekapazitÀt: 2 x 95 Ah
KĂŒhlschrank: 65 L
Gasvorrat: 2.8 Kg Butan
Standheizung: Warmluft 4 kW mit Zeitschaltuhr
Frisch-/Abwassertank: 90 /100 L
Grundpreis: 43.175 Euro
Testwagenpreis: 51.780 Euro

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