Tiny House – mobiler Acht Quadratmeter Wohn(t)raum

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Tiny House – die minimalistische Behausungen auf RĂ€dern ist seit vielen Jahren ein Trend in den USA.

Nicht nur in den USA verzichten immer mehr Menschen – freiwillig oder auch aus finanziellen GrĂŒnden – auf gerĂ€umige HĂ€user und komfortable Wohnungen. Sie leben stattdessen in vergleichsweise winzigen und oftmals mobilen HĂ€uschen. Der Gedanke hinter einem Tiny House: Bewusster Verzicht, Besinnung auf das Wesentliche und das Abwerfen von unnötigem Ballast. Obendrein spart mit man einem Tiny House auch Miete und Nebenkosten und man kann sein Eigenheim, sofern RĂ€der montiert sind, relativ unkompliziert zum Wohnortwechsel „umsetzen“, wie bei einem Reisemobil.

Tiny House (Foto: Medienagentur Hallenberger/Tischlerei Bock)Die Idee des „Downsizings“ gewinnt auch in Europa und in Deutschland immer mehr AnhĂ€nger. In den USA bieten bereits eine ganze Reihe von Firmen solche Tiny Houses an. Hierzulande mangelt es zumindest momentan aber noch an Anbietern der kleinen Behausungen.

Bereits seit einiger Zeit macht sich Tischlermeister Christian Bock mit seinem Team Gedanken ĂŒber das Konzept eines transportablen kleinen Hauses, das natĂŒrlich aus Holz gebaut werden sollte. Der Handwerker aus Bad Wildungen-Braunau erklĂ€rt: „Ich wollte mir schon lange eine kleine, mobile Behausung bauen, mit der man einfach und unabhĂ€ngig irgendwo leben kann.“ Anfangs dachte Bock „an einen Bau- oder Zirkuswagen.“ Schließlich stolperte der Tischler ĂŒber die Tiny-House-Bewegung. Und er gibt zu: „So kam ich auf die Idee, ein mobiles Haus fĂŒr deutsche und europĂ€ische Straßen zu bauen.“ Der erste Schritt waren fĂŒr Bock und sein Team dann etliche Zeichnungen und Bauskizzen, die wĂ€hrend der Planungsphase stĂ€ndig verbessert wurden. Neue Ideen und LösungsansĂ€tze flossen wĂ€hrend der Projektphase auch in den Bau eines maßstabsgetreuen Modells ein.

Tiny House aus Deutschland (Foto: Medienagentur Hallenberger/Tischlerei Bock)Die konkrete Umsetzung gestaltete sich dann jedoch alles andere als einfach. Einerseits kennt Nordamerika keinen deutschen TÜV und keine rigiden Zulassungsvorschriften, andererseits sind dort nicht nur die Autos grĂ¶ĂŸer und zugstĂ€rker, sondern auch die Straßen und ParkplĂ€tze erheblich weitrĂ€umiger als bei uns. Kurz und gut: In Deutschland gelten nun mal andere Vorschriften und Regeln als in den USA.

Hierzulande mĂŒssen etwa bestimmte Maße und Gewichte eingehalten werden, wenn man mit einem WohnanhĂ€nger am Straßenverkehr teilnehmen will. Zudem empfiehlt Bock, „den Aufbau als Ladung auf dem AnhĂ€nger zu sichern und ihn nicht mit dem AnhĂ€nger zu verschrauben.“ Ansonsten gehört der Aufbau nĂ€mlich zum AnhĂ€nger und muss extra abgenommen und geprĂŒft werden. Auch das mit dem Gewicht ist so eine Sache. Zu schwer darf der AnhĂ€nger mit Aufbau nicht werden, da sonst nur noch große Zugwagen mit entsprechender hoher AnhĂ€ngelast im Gespannbetrieb zum Einsatz kommen können.
Daher war fĂŒr Christian Bock und sein Team eine der grĂ¶ĂŸten Herausforderungen beim Bau des deutschen Tiny Houses eine möglichst leichte Konstruktion, die „nebenbei“ auch noch zulassungsfĂ€hig sein musste.

Tiny House Wohnraum (Foto: Medienagentur Hallenberger/Tischlerei Bock)Wie bei einem echten Haus gibt es Dach, WĂ€nde, TĂŒren und Fenster – halt eben nur auf acht Quadratmetern GrundflĂ€che. Aber selbst fĂŒr eine Veranda fand sich noch Platz auf dem AnhĂ€nger. WĂ€nde und Dach sind mit 80 Millimeter starken Holzweichfaserplatten gedĂ€mmt. Die diffusionsoffene Bauweise sorgt fĂŒr ein angenehmes und gesundes Wohnklima und gute Isolierung. An der Außenfassade schĂŒtzt eine speziell hinterlĂŒftete LĂ€rchenverschalung das kleine HĂ€uschen. Mit entsprechender Isolierung und einem eingebauten Holzofen ist die mobile HĂŒtte so selbst im Winter nutz- und bewohnbar.

Tiny House Schlafabteil (Foto: Medienagentur Hallenberger/Tischlerei Bock)Durch die Gewichtsbegrenzung musste sich Tischlermeister Bock bei seiner rollenden Behausung in der GrĂ¶ĂŸe beschrĂ€nken. Er findet das nicht weiter tragisch, aber Projekte wie in Amerika, die auch fĂŒr vierköpfige Familien taugen, seien eben ausgeschlossen. FĂŒr eine Einzelperson oder ein Paar ist Bocks Tiny House hingegen durchaus ausreichend ausgestattet. Es verfĂŒgt bei einem Innenmaß von 210 x 390 Zentimetern plus Erker ĂŒber eine KĂŒchenzeile mit SchrĂ€nken, ein Kochfeld, eine SpĂŒle und eine einfache Wasserinstallation sowie zwei EinbauschrĂ€nke. Im Wohn- und Essbereich ist ein holzbefeuerter Gußofen installiert. Hier gibt es zudem einen zum Schreibtisch umgestaltbaren Esstisch und einen Sessel sowie einige Regale. Das Schlafzimmer mit einem Doppelbett befindet sich im „Dachgeschoss“. Vor dem Tiny House ist eine kleine Veranda installiert, um den Eingangsbereich vor widrigen WitterungseinflĂŒssen zu schĂŒtzen. Und, ganz wichtig, auch eine per SchiebetĂŒr abgetrennte Komposttoilette ist mit an Bord.

Tiny House Decke (Foto: Medienagentur Hallenberger/Tischlerei Bock)Die Kosten fĂŒr Bocks rollende HolzhĂŒtte liegen mit der beschriebenen Ausstattung bei 35.000 Euro netto, allerdings ohne Gussofen und Toilette. GewichtsmĂ€ĂŸig lĂ€sst sich ein Tiny House – je nach Ausstattung – ab etwa 2,5 Tonnen realisieren (www.bock-tischlerei.de).

FĂŒr weitere Tiny Houses ist die Ausstattung des Wohnraums völlig individuell plan- und umsetzbar. So ergeben sich vielfĂ€ltige Einsatzmöglichkeiten, etwa als Wohnraum fĂŒr einen Single oder ein Paar, als Ferien- oder Wochenendhaus, Angler-, Ski- oder JagdhĂŒtte, als Unterkunft fĂŒr GĂ€ste, als mobiler BĂŒro-, Konferenz- oder Verkaufsraum, als Atelier oder Strandhaus. Statt eines Holzofens lassen sich auch eine Gas- oder Elektroheizung realisieren.
Einen Tipp hat Tischlermeister Bock noch fĂŒr all jene, die dauerhaft in einem Tiny House leben möchten. „Das GrundstĂŒck, auf dem das mobile Heim abgestellt werden soll, muss eine solche Nutzung zulassen.“

(Quelle: ampnet/gp)

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