Stretch-Bulli – ein VW T3 Bus wird zur langen Luise

0

Grazil kann man „Luise“ vielleicht nicht gerade nennen, aber dafĂŒr ist dieser Stretch-Bulli defintiv selbstbewusst. Auf der Straße dreht sich jeder nach ihr um. Ihre physische PrĂ€senz verschlĂ€gt einem fast den Atem. „Und manchmal ist sie auch ein bisschen zickig“, meint Christian Lemke mit einem Grinsen im Gesicht.

Die lange Luise ist sein Geschöpf. Gemeinsam mit vier Freunden hat er rund 5.000 Arbeitsstunden in diese VIP-Lounge auf RĂ€dern gesteckt und einen einzigartigen VW T3 Umbau vorgenommen. Manche wĂŒrden den ĂŒberdimensionalen VW-Bus wahrscheinlich „Stretch-Bulli“ nennen, offiziell darf das aber keiner tun, denn wenn jemand unautorisiert den Begriff „Bulli“ fĂŒr ein Fahrzeug in Anspruch nimmt, reagiert der Volkswagen-Konzern verschnupft.Stretch-Bulli Luise on Tour - VW T3 Umbau zur Stretch-Limo (Foto: ampnet)Den Gedanken, aus mehreren T3-Volkswagen einen ĂŒberlangen Stretch-Bulli zu bauen, kann man wohl getrost als Schnaps-Idee bezeichnen. Allerdings stand Bier im Vordergrund, als auf einer Grillparty mit Freunden der Vorsatz reifte. Christian Lemke beschĂ€ftigt sich seit Jahren mit VW-Bussen, hat sie in seiner Werkstatt in Berlin-Hohenschönhausen repariert, restauriert, ge- und verkauft, sogar einmal eine Version mit stark verkĂŒrztem Radstand zusammen geschweißt. Derzeit sind in zwei Hallen rund 80 Exemplare untergebracht, darunter auch Autos von Kunden, die ihre Lieblinge dort warten und pflegen lassen.Stretch-Bulli - T3 Extralang (Foto: ampnet)„Wir wollten etwas machen, was es noch nicht gab“, erinnert sich Bernhard Sander, langjĂ€hriger Freund von Christian Lemke und Maschinenbau-Ingenieur. „Qualitativ hochwertig und nutzenorientiert wollte das Ergebnis natĂŒrlich auch sein.“ Er zeichnet sich fĂŒr die Konstruktion des Stretch-Bulli verantwortlich. Als PrĂŒfsachverstĂ€ndiger fĂŒr Kraftfahrzeuge fiel es Sander leicht abzuschĂ€tzen, was zulassungsfĂ€hig ist und was nicht. Schnell stellte sich heraus, dass T3-Busse allein als Spender-Fahrzeuge nicht reichen wĂŒrden. Vor allem musste ein krĂ€ftigerer Motor her, der das AchtmeterfĂŒnfzig-Monstrum mit ordentlich Schub versorgt.Stretch-Bulli Luise - V6 Turbodiesel-Motor (Foto: ampnet)Beim Passat wurde die fĂŒnfköpfige Bastler-Crew fĂŒndig. Aus zwei Cockpits wurde eins gemacht, fĂŒr den Kabelbaum der VW-Limousine fand sich ebenfalls Verwendung. Ein V6-Turbodiesel mit 2,5 Litern Hubraum und 180 PS erschien als geeignetes Aggregat. NatĂŒrlich ist der Motor wie beim Original-Bulli hinten eingebaut. An den beiden Hinterachsen kommen Scheibenbremsen vom VW Sharan zu Einsatz. Ein Reisemobil spendete die Klimaanlage. Viele Teile, wie zum Beispiel die Seitenscheiben oder die 2,55 Meter breite SchiebetĂŒr, mussten aber auch extra angefertigt werden. Vier T3-Busse der Baujahre 1986 bis 1990 gaben schließlich ihr Bestes, um „Luise“ in Form zu bringen.Stretch-Bulli - die lange Luise (Foto: ampnet)Doch mit „einfach-mal-so-aneinander-schweißen“ war es nicht getan, allein schon weil vier Gasflaschen und rund 15 Kilo Schweißdraht draufgingen. Zum wichtigsten Werkzeug wurde ein Laser-MessgerĂ€t, welches prĂ€zise Werte lieferte, um die einzelnen Karosserieelemente in exakt gerader Linie anordnen und verbinden zu können. FĂŒr die notwendige StabilitĂ€t und Verwindungs-Steifigkeit sorgen ein Leiterrahmen und massive StahltrĂ€ger im Unterbau. Das machte „Luise“ jedoch etwas fĂŒllig: 3.300 Kilogramm bringt der Stretch-Bulli auf die Waage.VW T3 Stretch-Limousine - Versteifungen im Innenraum (Foto: ampnet)Auch wenn sich die technischen Herausforderungen dank des Sachverstandes der Beteiligten immer wieder lösen ließen, stand das Projekt doch einige Male auf der Kippe. „Das Schwierigste war“, erinnert sich Christian Lemke, „den Zusammenhalt des Teams zu sichern und immer wieder neu zu motivieren“. Rund neun Monate lang traf sich die Truppe jeden Tag nach der Arbeit, die Wochenenden wurden selbstverstĂ€ndlich ebenfalls „verbastelt“, was letztlich auch den Partnerinnen der Teammitglieder einiges abverlangte. „So um die 5.000 Arbeitsstunden“, schĂ€tzt Kfz-Mechaniker Lemke, „dĂŒrften es wohl gewesen sein, die wir da reingesteckt haben“.Stretch-Bulli Luise im Bau (Foto: ampnet)Eine lange Karosserie macht noch keine Stretch-Limo, weshalb der 36-jĂ€hrige und seine Mitstreiter nicht weniger Energie in den Innenausbau steckten. Weiß, grau und rot sind die dominierenden Farben im ĂŒppig mit Leder ausgeschlagen rollenden Partyraum. Mehrere GetrĂ€nkekĂŒhler fehlen ebenso wenig wie ein 47-Zoll-LED-Bildschirm, mit dem sich auf vielfĂ€ltige Art fĂŒr Unterhaltung sorgen lĂ€sst. Die groß dimensionierten Bass-Lautsprecher sind von den GĂ€sten zwar nicht zu ĂŒbersehen, vieles an High-Tech ist aber versteckt installiert. Die Endstufen der 7.600-Watt-Soundanlage erblickt nur, wer die Heckklappe öffnet. Und um die Lasershow richtig genießen zu können, muss es dunkel draußen sein.Stretch-Bulli - Lounge-Bereich (Foto: ampnet)Damit alles noch ein bisschen bequemer wird, soll die schwere SchiebtĂŒr demnĂ€chst einen elektrischen Antrieb bekommen. Die Kommunikation mit dem Fahrer erfolgt via Bordtelefon und der Chauffeur sieht per Video-Monitor, ob die gute Laune der Insassen auszuufern droht.Stretch-Bulli - Cockpit (Foto: ampnet)Um den immensen Strombedarf zu decken, reichte einfache Passat-Elektrik nicht mehr aus. Eine Batterie ist allein fĂŒr das Starten des Motors zustĂ€ndig, vier weitere versorgen die diversen Verbraucher. Die Lichtmaschine wurde vorsichtshalber aus einem VW Touareg entnommen.Stretch-Bulli - Innenraum (Foto: ampnet)Am 15. Februar 2012 war es schließlich soweit: Jungfernfahrt mit dem Stretch-Bulli. Die erste Tour fĂŒhrte direkt zur Zulassungsstelle und weil das ganze Projekt unter den wachsamen Augen von PrĂŒf-Ingenieur Bernhard Sander realisiert wurde, blieben die frischgebackenen Besitzer des lĂ€ngsten T3-Busses dort von Überraschungen verschont.

Normale Stretch-Limousinen taugen heute kaum noch als Aufreger, „aber nach unserer Luise drehen sich die Leute immer wieder um“, hat der 35-JĂ€hrige schnell festgestellt. Mit der Fertigstellung des Umbaus begann gleich eine neue Arbeitsphase – die der Vermarktung. FĂŒr rollende Partys, Junggesellen-Abschiede, PR-Aktionen oder Hochzeiten kann man den Stretch-Bulli inklusive Chauffeur mieten. „Geld verdienen“, heißt es jetzt fĂŒr Luise, schließlich hat sie ihren Schöpfern lange genug auf der Tasche gelegen. Ein Wertgutachten, das Lemke und sein Team vorsichtshalber haben anfertigen lassen, spricht von 170.000 Euro.Stretch-Bulli Luise - T3 Langversion in XXXL (Foto: ampnet)

(Text: Axel Busse/ampnet)

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

*